Bademode selbst nähen – Erfahrungen und Tipps

Mein selbstgenähtes Bikinioberteil

Eigentlich wollte ich in diesem Blogpost nur über das kostenlose Schnittmuster für einen Sport-BH schreiben, das ich vor kurzem als Bikini Oberteil genäht habe. Dann fiel mir auf, dass ich ja tatsächlich schon verschiedene Badeanzüge und Bikinis genäht habe. Und es wäre mal wieder Zeit für einen ausführlichen Blogpost.

Auf meinem Blog wird es keine Bilder geben auf denen ich die Bademode trage. Dafür bin ich nicht zufrieden genug mit meiner Körpermitte. Ich trage aber alle Modelle sehr gerne und teilweise wirklich regelmäßig. Nur muss das die Öffentlichkeit nicht auf gestellten Tragebildern sehen. Vielleicht, wenn ich irgendwann mal wieder mit meiner Körpermitte zufrieden bin, dann organisiere ich auch mal ein Shooting an der Ostsee im Sommer.

Bis dahin erzähle ich euch jetzt einfach mal etwas zu den Schnittmustern für Bademode, die ich bereits ausprobiert habe und zeige die fertig genähten Teile. Das Beste? Drei der Schnittmuster sind kostenlos und alle drei haben zudem eine Video-Anleitung bei YouTube. Ich habe mich zwar bei der Verarbeitung nicht zu 100 % an die vorgeschlagenen Methoden gehalten, aber dazu später mehr.

Mein selbstgenähter Bikini als Kopie eines Vintage-Modells

Der erste Bikini, den ich genäht habe, ist von einem meiner Lieblingsbikinis abgenommen. Das habe ich ganz einfach mit einer transparenten Folie gemacht, die ich über den Bikini gelegt habe und dann die Nahtlinien der einzelnen Teile abzeichnete.

Unten das Original, oben das kopierte Bikinioberteil

Anschließend habe ich die Schnittteile mit Nahtzugabe aus meinen Badeanzugstoff zugeschnitten. Der Bikini ist ungefüttert und ich habe teilweise mit meiner Nähmaschine und teilweise mit der Overlock gearbeitet.

Seitennähte mit Zickzackstich genäht und dann die Nahtzugabe mit der Overlock versäubert

Größtenteils verwendete ich die Zwillingsnadel und habe damit sowohl die Kanten der Bikiniteile versäubert als auch eingeschlagen und abgesteppt.

Zwickel mit doppelter Stofflage

Für das Höschen des Bikinis habe ich den kostenlosen Schnitt für die Panty Eve von Pattydoo abgewandelt. Ein Höschen habe ich mit einem etwas längeren Bund genäht, den ich dann statt mit Gummi einzufassen einfach umgeklappt und abgesteppt habe. Ein zweites Höschen für das Bikini-Set ist eine High Waist Variante bei der ich einfach den Bund mindestens 7 cm nach oben verlegt habe, also die Seitennähte verlängerte. Zum besseren Halt der Hose habe ich dann ein separates Bundteil, das im Umfang etwas kürzer als die Hose ist, angesteppt.

Bei diesem Bikini habe ich komplett ohne Badegummi gearbeitet und nur den Stoff eingeschlagen. So sieht es das Tutorial vom Panty Eve vor. Im Nachhinein hätte etwas Gummiband dem Bikini ganz gut getan, da er so zwar schön leicht und weich ist, aber keinen Halt gibt.

Das Bikinioberteil des Originals ist mit einem nicht dehnbaren Futter verstürzt und so hätte ich es auch bei der Kopie verarbeiten sollen, denn nun fehlt dem Körbchen doch etwas Unterstüzung und Halt.

Vergleich zwischen der hüftigen Eve und der von mir veränderten High-Waist Variante

Badeanzugstoffe, vor allem gemusterte sind gar nicht so leicht zu bekommen, daher war ich sehr happy, als ich letztes Jahr im Urlaub in Manchester bei Abakhan ein tolles Muster zu einem super Preis und als sehr großes Reststück gekauft habe. Perfekt, um weitere Bademode-Schnittmuster zu testen.

Abigail von Textilsucht

Im Sommer, nachdem ich wieder regelmäßig mit Aqua Power begonnen hatte, bekam ich Lust mir dafür einen gut sitzenden Badeanzug zu nähen. Und so recherchierte ich und fand den Badeanzug Abigail von Textilsucht. Ein toller Schnitt, kostenlos und mit Video Tutorial. Das fehlende Gummiband und Badefutter fand ich in Bergedorf bei alles-fuer-selbermacher. Aktuell scheint es das Badegummi dort jedoch nicht mehr zu geben.

ein Unterbrustgummi, das für Halt sorgt

Und ich muss sagen, dieser Badeanzug ist einfach fantastisch! Er sitzt perfekt und macht (fast) alle Bewegungen beim Aqua Power mit. Hin und wieder muss ich den Ausschnitt richten, aber ich kann mich immer sicher in dem Modell fühlen.

Beinausschnitt mit Badegummi verarbeitet

Die Höhe des Beinausschnitts und auch die gesamte Länge des Badeanzugs passen perfekt auf meine Körpermaße. Ich habe an dem Schnitt nichts angepasst. Ich habe an den Ausschnittkanten zunächst das Badegummi auf die linke Seite so angenäht, dass das kürzere Gummi an der Kante anlag. Mit einem Drei-Step-Zickzack habe ich es dann leicht gedehnt angenäht. Anschließend habe ich die Kanten umgeklappt und dann erneut gestgenäht, wieder mit dem Drei-Step-Zickzackstich. Dies gibt den Auschnittkanten eine gute Form und sorgt für den guten Sitz.

Der Badeanzug macht eine tolle Figur

Anfang April war ich in Helsinki und natürlich durfte auch eim Besuch im Stoffgeschäft der Kette Eurokangas nicht fehlen. In einer Restekiste entdeckte ich einen Badelycra, der nur darauf wartete von mir in einen Bikini verwandelt zu werden. Das Reststück war ca. 2 m lang und so fragte ich, ob ich von dem Rest auch nochmal etwas abgeschnitten bekommen könnte und glücklicherweise war das möglich. Ich hatte nämlich schon etwas damit zu kämpfen wieder alle gekauften Mitbringsel in meinem Handgepäck zu verstauen und musste daher etwas umsichtiger beim Stoffkauf sein.

Sieht schlicht aus, hat aber interessante Nahtlinien

Für den Stoff hatte ich direkt schon einen Schnitt im Kopf, denn ich hatte eine Anleitung für einen Sport BH auf einer amerikanischen Webseite gesehen und fand den Schnitt super, um ihn für ein Bikini Oberteil zu verwenden. Als Panty stellte ich mir wieder Eve vor.

Beim Zuschnitt war dann etwas Nervenkitzel angesagt, denn so ein Bikini Oberteil in meiner Größe frisst doch schon etwas Stoff. Ich schaffte es jedoch sogar das Höschen aus dem Stoff zuzuschneiden. Zwar nicht ganz Zero Waste, aber fast! Für den nächsten Bikini würde ich jedoch lieber 60 cm Stoff kaufen. Das Panty Eve ist nämlich eher hüftig geschnitten und ich mag eigentlich etwas höher geschnittene Höschen etwas lieber.

Hüftig geschnittenes Panty Eve

Fast zeitgleich zu meiner Idee diesen Sports-Bra als Bikini umzufunktionieren, brachte Megan Nielsen Patterns ein Schnittmuster für Badeanzug und Bikini heraus. Und sie begleitete den Launch des Schnittmusters mit ausführlichen Tutorials für das Nähen der Modelle. Da habe ich mir dann einige Techniken abgeschaut und sie bei diesem Modell ausprobiert.

Da ich nicht mehr genug Badegummi hatte und es leider bei alles-fuer-selbermacher auch gerade nicht verfügbar war, habe ich kurzentschlossen bei sewy bestellt. Und der Versand war so schnell, dass mein am Donnerstag bestelltes Badegummi pünktlich am Samstag kam und ich den Bikini fertigstellen konnte.

Zuerst nähte ich alle Nähte mit einem schmal eingestellten Zickzackstich. Bis das funktionierte musste ich einige Probenähte machen, denn der Stoff und meine Nadelwahl passten nicht zusammen. Die Maschine machte einfach keine Stich und wenn, dann nur Geradstich, obwohl Zickzack eingestellt war. Ich recherchierte bei Google und fand einige Tipps, die sich dann als sehr hilfreich erwiesen.

Was ich nämlich ausprobiert hatte, war eine sehr feine Stretchnadel. Doch dafür war der Stoff anscheinend zu fest und außerdem die Oberfadenspannung zu niedrig.

An meiner Pfaff hobby 1132 habe ich also die besten Erfahrungen dann mit einer 90er Universalnadel und einer Oberfadenspannung von 5 bis 6 gemacht. Zudem wollte die Maschine nicht mit meinem günstigen Stoff&Stil Garn nähen. Erst als ich das hochwertige Gütermann Garn als Oberfaden verwendet habe, lief das Nähen problemlos.

Für die Kanten habe ich das 8mm Badegummi verwendet. Hier ist die erste Naht zu sehen, die noch etwas unschön ist, denn ich musste erst mal herausfinden, wie sich das Gummi mit dem Stoff verhält. Ich habe, wie bei meinem Badeanzug, das Gummi erst von links aufgesteppt. Dabei habe ich versucht, dass das Gummi nicht an der Kante überstand. Wie man sieht hat das nur teilweise geklappt. Beim zweiten Beinausschnitt hatte ich aber dann schon besser raus, wie ich gleichzeitig Gummi dehnen und führen kann. Und bei der letzten eingefassten Kante war es dann genau richtig.

Die Teilungsnähte im Schnitt habe ich mit einem Wabenstich akzentuiert, der einerseits der Naht weiteren Halt gibt und zudem die Nahtzugabe fixiert.

Ich habe bei dem Nähen des Bikinis fiel über die Verarbeitung von Badeanzugstoff gelernt und habe richtig Lust bekommen noch weitere zu nähen!

Dies war einer der ersten Versuche einen Bikini selbst zu nähen.

Er ist tragbar, aber nicht für wilde Wasserspiele geeignet. Ich ziehe ihn eher zum Sonnenbaden als zum Wassersport an.

Eigentlich ist der Schnitt als Sport-BH gedacht. Das merkt man beim Tragen, denn er gibt Halt und macht auch intensive Bewegungen mit.

Mein neuer Lieblingsschnitt für Bikinis, die ich beim Aqua Power trage.

Ein toller Schnitt von Pattydoo und ein super Videotutorial, anhand dessen ich auch den Zwickel ohne Probleme hinbekommen habe.

Bei weiteren Modellen würde ich nur den Bund etwas höher schneidern.

Wer das Bademode nähen ausprobieren will, dem empfehle ich diese drei Schnittmuster, denn sie sind kostenlos und haben ein Video-Tutorial:

Zum Video: Panty Eve von Pattydoo als Bikinihöschen

Zum Video: Sport-BH von So Sew Easy als Bikini-Top

Zum Video: Badeanzug Abigail von Textilsucht

Ich habe auf jeden Fall schon Ideen für weitere Stoffkombinationen und werde diesen Sommer sicherlich noch weitere Swimwear-Modelle nähen.

4 thoughts on “Bademode selbst nähen – Erfahrungen und Tipps”

  1. Hej,
    super, vielen Dank! Ich würde mir nämlich (schon länger) gerne mal einen Bikini oder Badeanzug nähen und finde deinen Beitrag sehr hilfreich. Die Schnitte finde ich klasse. Und dein Kollektion gefällt mir sehr.
    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Da habe ich dann ja zum richtigen Zeitpunkt drüber geschrieben. Die vorgestellten Modelle kann ich mir für dich auch gut vorstellen. Der Sports Bra hat sich am Montag beim Aqua Power schon bewährt.

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