Ich hatte gerade eigentlich angefangen einen längeren Blogpost zu konzeptionieren. Wollte Tag für Tag schreiben, sodass ich diesen dann Ende des Monats fertig habe. Aber nun sind mir doch noch einige Gedanken in den letzten Tagen eingeschossen, die jetzt raus müssen. Und so dachte ich, dass vielleicht ein kurzer „Fünf Gedanken“-Post Sinn macht. Bevor es dann Anfang September schon wieder einen neuen Me Made Mittwoch Beitrag gibt.
Irgendwie verfliegt die Zeit gerade nur so und Woche für Woche vergeht wie im Fluge. Nachdem ich neulich in ein kleines Sommerloch gefallen bin, weil viele Menschen in meinem Umfeld im Sommerurlaub waren oder einfach sehr damit beschäftigt ihre Kinder in den Ferien zu unterhalten, während sie parallel noch den Alltag und ihre Arbeit bewältigen müssen, merke ich jetzt den Aufschwung und dass die Kraft und Kreativität wieder zurückkehrt.
Und, ich habe tatsächlich wieder Lust zu nähen!
1. Marktlücken im Babyausstattungsbereich
Gerade heute hatte ich ein längeres Telefonat mit einer guten Freundin. Sie wohnt leider viel zu weit weg, aber unsere Fernbeziehung läuft nun immerhin schon seit 13 Jahren. Wir tauschten uns über intime Themen aus und kamen auf das Thema Babykleidung und Zubehör für Mama und Baby. Und nein, natürlich bin nicht ich die, die das Baby bekommt. Aber ich bin diejenige, die aktiv näht und ALLES zaubern kann. So auch eine Windeltasche, die man wohl so selten auf dem Etsy Markt bekommt. Sie wünscht sich nämlich etwas Schlichtes möglichst in Schwarz. Super simpel, super schnell genäht und na klar, die nähe ich doch für sie. Beim Durchstöbern meiner Stoffkisten fand ich sogar schon etwas Passendes an Stoffqualitäten. Und, wenn die vom Maß her passen, dann geht ratzfatz hier die Nähmaschine an.
2. Upcycling von Selbstgenähtem
In den letzten Tagen war die Nähmaschine sogar schon ein paar Mal an. Denn ich bin endlich Projekte angegangen, die ich sehr lange aufgeschoben habe. Einer meiner letzten Blogbeiträge auf Sew On Trend zeigte ein Frau Ava Mäntelchen von Hedi näht. Der Schnitt ist inzwischen auch schon etwas älter. Ich glaube, Schnitt und Umsetzung von mir sind locker neun Jahre alt. Nun hatte ich den Schnitt in zwei Versionen genäht und die Verarbeitung war auch recht gut. Aber ich habe die Mäntelchen eigentlich nie getragen. Und ich wusste auch genau, warum. Die Länge ist nämlich super unpraktisch, wenn man, wie ich, regelmäßig mit dem Fahrrad fährt. Außerdem hat der Schnitt keinen Verschluss vorgesehen, soll offen getragen werden und das mag ich beim Fahrradfahren überhaupt nicht.
Nun, was ich tun wollte, hatte ich schon lange im Kopf. Ich wollte die Mäntelchen zu Jackenlänge kürzen. Und das habe ich nun tatsächlich auch endlich mal gemacht. Bei beiden schnitt ich ca. 10 bis 12 cm vom Saum ab, sodass ich eine gute Jackenlänge erhielt. Und nun sind die Jäckchen richtig tragbar und auch viel vorteilhafter. Ich freue mich darauf sie im Herbst und Winter zu kombinieren. Und die abgeschnittenen Streifen vom Saum haben sogar auch noch ein zweites Leben bekommen und sie wurden zu Stirnbändern.
3. Lücken im H/W Kleiderschrank
Denn ja, so langsam werden die Tage wieder kürzer und bald steht dann auch der Switch im Kleiderschrank an. Bei meinen letzten Aufräum- und Umräumaktionen habe ich schon bemerkt, dass ich für den Sommer und insbesondere warme Sommertage eine große Auswahl an Kleidungsstücken habe. Aber im Herbst und Winter da mangelt es mir irgendwie ein bisschen an gut sitzenden, wärmenden und geliebten Kleidungsstücken. Ich fülle langsam schon Pinterest Boards mit Ideen, was ich vielleicht noch brauchen könnte. Bei ein paar Ideen, bin ich sicher, dass ich sie umsetzen werde.
Und ja, nachdem ich nun etliche Monate sehr diszipliniert war und bis auf einen Ausrutscher bei Alles-für-Selbermacher in Bergedorf tatsächlich konsequent keine neuen Bekleidungsstoffe für mich selbst gekauft habe! Bald werde ich das erste Mal wieder in einen Stoffladen gehen und dann dort vor Ort mit meiner neuen Strategie einkaufen. Denn, auch wenn ich viele Jahre Stoffe online vermarktet habe, gehe ich selbst doch immer noch viel lieber in einen Stoffladen und befühle eine Stoffqualität, bevor ich sie kaufe. Bei stoffe.de hatte ich mir im Frühjahr mal einige Muster zusenden lassen. Das war auch wirklich eine gute Möglichkeit verschiedene Qualitäten miteinander zu vergleichen. Aber irgendwie ist das Gefühl für einen Stoff doch etwas anderes, wenn man ihn vor dem Kauf streicheln kann. Mir ist nun allerdings aufgefallen, dass tatsächlich gar nicht alle Onlineshops die Möglichkeit bieten Muster zu bestellen.
Zum Glück sitzen etliche Online-Händler hier in meiner Umgebung, sodass ich recht unkompliziert vorbeifahren kann und mir dann selbst ein Bild mache.
4. Intuitiv oder Nähen mit striktem Plan?
Bislang entstanden viele meiner Nähprojekte aus dem Stoff heraus. Meist sah ich eine schöne Stoffqualität, die mich ansprach, weil die Farbe gefiel oder weil ich das Muster schön und einzigartig fand. Und meist kaufte ich 1,5 Meter, vielleicht mal 2 oder 3 Meter. Aber meist hatte ich noch keinen konkreten Schnitt vor Augen und wusste daher nicht genau, ob es sinnvoll wäre mehr oder weniger zu kaufen. Das führte dazu, dass ich immer wieder die selben Schnittmuster nähte, denn bei denen wusste ich, dass sie mit der Stoffmenge funktionieren.
Nun will ich anders an das Nähen herangehen. Ich will mir das Intuitive bewahren, aber irgendwie doch auch mehr planen, wofür ich meine Nähzeiten verwende. Und ja, ich bin etwas komisch, aber für meine Herangehensweise an dieses planvolle Nähen legte ich erstmal eine Excel-Tabelle an. Ich machte mir eine Liste mit allen Kleidungsstückarten, die ich in meinem Kleiderschrank haben will. Dann machte ich eine Inventur, um zu schauen, ob ich das Kleidungsstück schon habe und notierte in welcher Farbe es ist und ob ich selbst genäht hatte oder ob es gekauft ist. Sicherlich gibt es für so eine Kleiderschrank Inventur auch schon entsprechende Apps, aber manche Dinge mache ich gern am Laptop und da war die Tabelle eine einfache Möglichkeit mir Überblick zu verschaffen.
Aus meiner Excel Tabelle heraus entstand dann eine To Sew Liste. Im nächsten Schritt recherchierte ich Schnittmuster und schaute, was ich schon an Schnittmustern im Bestand habe. Denn in einer der vielen Burda Zeitschriften oder den fibre mood Ausgaben und diversen anderen Nähmagazinen könnten ja die passenden Schnittmuster drin sein und ich muss gar nichts neu kaufen. Das erfreut natürlich mein frugales Herz.
Nähen in Gedanken
So mache ich erstmal in der Theorie Pläne. Verwerfe auch wieder einige Ideen oder bemerke, dass mir nach einiger Zeit einige Ideen gar nicht mehr so wichtig sind oder ich noch eine andere bessere Idee habe. Das Planen macht auch Spaß. Es ist ein bisschen, wie das Entwerfen einer eigenen Kollektion. Nur, dass sie nicht dafür gedacht ist, anderen zu gefallen und sich gut zu verkaufen, sondern es soll eine Kollektion sein, die nur in meinem Kleiderschrank hängt und meine Bedürfnisse erfüllt.
Natürlich ist die Idee nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern ich habe sie nach dem Lesen von „Das Kleiderschrank-Projekt“ entwickelt. Ich habe das Ganze nur noch etwas näh-nerdiger gestaltet, als es im Buch angedacht ist. Auf jeden Fall ist es eine Herangehensweise, die mich motivierte mich weiter mit meiner Garderobe zu beschäftigen auf dem Weg des #handmadelifemakeover.
5. Gedanken zu Social Media und dem Internet
Anfang der Woche habe ich es zum dritten Mal in diesem Jahr getan. Ich habe die Instagram App von meinem Handy deinstalliert. Wie lange ich diesmal wohl abstinent bleiben kann? Tatsächlich hatte ich sie gerade nach einer längeren Phase ohne App auf dem Handy mal wieder installiert, weil ich das Bedürfnis hatte anderen Leuten zu zeigen, wie geil mein Leben ohne sie ist. Ja, ich weiß, nicht so richtig löblich. Und ob die Personen das überhaupt motbekommen habe, das weiß ich natürlich gar nicht.
Denn Instagram ist ja inzwischen so Algorithmus gesteuert, dass man gar nicht mehr sicher sein kann, ob ein Post oder eine Story überhaupt bei anderen ausgespielt wird. Und ja, bei mir war der Algo wohl völlig verwirrt, als ich die App wieder installiert hatte. Denn an einem Abend zeigte er mir plötzlich in den Stories lauter Stories aus den Highlights von Accounts denen ich folgte. Die waren aber teilweise ein paar Tage oder Wochen alt und normalerweise sieht man ja zumindest in den Stories die Videos noch chronologisch.
Wofür soziale Medien eigentlich gedacht sind
Weil, dafür nutzte ich eigentlich Social Media, um zu sehen, was meine Kontakte so in den letzten 24 Stunden erlebt haben. Ich will keine geskripteten Mockumentaries sehen, sondern ich will echte Geschichten von Menschen erfahren mit denen ich lose befreundet bin. Denn ja, ich erfahre ja von meinen real-life Freundinnen schon nicht täglich, wie es ihnen geht und was sie erleben, da muss dann irgendein fälschlicherweise „sozial“ betitelter Medienapparat dafür sorgen, dass ich mein Bedürfnis nach Kontakt und Austausch erfüllen kann.
Gerade wo ich wieder diese Gedanken habe und merke, dass ich auch in der Zeit, wo ich abends wieder im Tunnel des Feeds lande und mich nicht vom Handy lösen kann, obwohl ich keinen Wert darin sehe und ich nicht merke, dass ich etwas Positives aus den 30 Minuten stummem Konsumieren ziehe, da entdecke ich auf dem Blog von greenfietsen ihren Beitrag über das Löschen von instagram.
Für mich war Instagram eine kleine Heile-Welt-Blase, in der ich nie Hass erlebt habe, sondern immer freundliches Interesse, Anerkennung und Wertschätzung.
Zitat aus dem Blogbeitrag „Warum ich meinen Instagram-Account löschen werde“ von Katharina
Meine Insta-Story
Ich habe Instagram 2013 das erste Mal installiert, als ich mir im Januar mein Bein gebrochen hatte, von meinem Bruder das erste iPhone besorgt bekommen hatte und nun endlich mit den amerikanischen Bloggern connecten wollte, die ich bislang nur über ihre Webseiten kannte. Auch die deutsche Näh-Bloggerszene fand sich in den kommenden Jahren dort zusammen. Eine Gemeinschaft aus Prosumenten entstand. Early Adopter unter sich.
Mit den Jahren und der Kommerzialisierung und dem Wandel des Algorithmus und den Funktionen der App wandelte sich das Publikum. Nun waren hier nicht mehr größtenteils mehr die Prosumenten unter sich, sondern die App zog immer mehr Konsum-affine Follower an. Und das sind sie meist, Gefolgschaft. Auch intern bei mir im Kopf als Gaffer benannt. Und so eine möchte ich selbst nicht sein.
Doch die App zwingt einen dazu zu gaffen, man wird unfreiwillig eingesogen wenn der Feed-Strudel nacheinander Posts ausspielt, die einem Sekundenblicke ermöglichen oder eher gesagt aufzwingen. Denn auswählen, was man sehen möchte, kann man schon seit einer Weile nicht mehr. Instagram will diktieren und Diktatoren an der Macht hatten noch nie etwas Positives im Sinn.
Und wer ist schuld? Na klar, die Patriärsche
Ich kenne Instagram nur aus der Näh-Bubble. Ich habe die App als Erwachsene kennengelernt. Ich weiß, dass Leben auch ohne möglich ist. Eine Welt ohne das Internet ist nicht mehr möglich. Aber eine Welt ohne von Narzissten geführte und ihren cis-männlichen Gefolgsleuten programmierte Apps ist möglich. Mann müsste sich nur mal an seine eigene Nase fassen, statt zu swipen.
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