Okay, so weit ist es schon gekommen… ich habe monatelang nicht über diese Webseite nachgedacht. Und dann will ich mal wieder einen Beitrag schreiben und ich bekomme es technisch nicht hin. Die Nutzeroberfläche für den Text hat sich wohl verändert. Ich brauche fast eine Viertelstunde, bis ich herausgefunden habe, wie ich hier nun Text eingeben kann. Boomer. Aber hey, immerhin habe ich es selbst rausgefunden, ohne Google und ohne K(ack)I.
Ja, K(ack)I, das war ein großer Faktor, warum ich lange keine Lust hatte, Texte für das Internet zu schreiben. Und ich bin auch nicht sicher, wie regelmäßig ich mal wieder etwas runterschreiben werde. Aber ich mag das Schreiben eben. Und ich weiß, dass ich manchmal meine Gedanken besser ordnen kann, wenn ich sie runtertippe. Und vielleicht, ja vielleicht, sind die Gedanken ja für irgendeine andere Person, die gern kreativ ist, auch relevant. Oder stoßen Gedanken und kreative Projekte an. Dann habe ich meine Bestimmung schon erreicht.
Im letzten Jahr habe ich regelmäßig Me Made Mittwoch Posts gemacht. Zum einen, weil es mir Freude brachte. Zum anderen erhoffte ich aber auch über die Zugriffszahlen auf die Posts einen Cashflow zu generieren mit dem ich die Hosting Gebühren für die Webseite wieder reinbekomme. Naja, it turns out – auch der Me Made Mittwoch Traffic, den ich jeden Monat hatte, brachte nichts ins Portemonnaie. Denn die Vergütung der VG Wort zählt nicht die Aufrufe, wie ich dachte, sondern die Anzahl der Nutzer:innen, die den Beitrag aufrufen. Und ja, das waren leider keine 1500 im Monat sondern maximal um die 300.
Kleiner Einschub: Ich hatte gerade noch einen Gedanken und musste etwas nachgoogeln. Dabei stellte ich fest, dass vielleicht der Traffic gar nicht das Problem war, sondern der Ort des Zählpixels für die Beträge. Das Zählpixel der VG Wort war nämlich ganz am Ende meiner Webseite eingebaut. Also muss man dann auf dem Handy sozusagen bis nach „ganz unten“ scrollen, damit das Lesen überhaupt gezählt wird. Kann natürlich ein Grund sein, warum ich nicht auf die benötigten Aufrufzahlen kam. Konnte das technisch nun ändern und bin mal gespannt, ob es Auswirkungen hat! /TechNerd Over and Out/
Was mich zu dem Gedanken brachte, dass die Nähnerdszene doch eine kleine eingeschworene Gesellschaft ist. Eine Nische in der Nische des Nähens. Für mich ist das Hobby so allgegenwärtig und ich muss mich immer daran erinnern, dass es nicht für jeden Menschen zum Alltag dazugehört. Ja, viele haben eine Nähmaschine und ja, es gibt auch viele Menschen, die mal eine Phase haben in der sie nähen. Aber, dass man sich wirklich so intensiv mit dem Hobby beschäftigt, dass ist wohl doch eher selten. Und dann natürlich auch noch darüber zu schreiben und jahrelang an dem Thema dran zu bleiben. Für mich ist es immer noch eine Beschäftigung für die ich mir immer wieder gerne Momente im Alltag schaffe. Ich liebe aktuell auch nicht nur das Nähen als Akt des Selbermachens, sondern auch die Beschäftigung mit dem, was ich eigentlich in der Garderobe haben möchte.
Im letzten Jahr hatte ich mir im April ja die Farbberatung bei Laura Hertel in Leipzig gegönnt. Und ja, wenn ich jetzt nach Kleidung, Schnitmustern oder Stoffen schaue, dann habe ich einen anderen Blick. Ich denke nicht mehr nur „Oh, schön. Das gefällt mir!“, sondern ich mache mir andere Gedanken „Ist das ein kühler Farbton? Wie ist die Intensität? Passt das zu anderen Teilen?“. Immer öfter erwische ich mich dann auch dabei, dass ich viele Muster, Farben und Stoffqualitäten zwar schön finde und auch direkt Ideen habe, was ich draus machen könnte, aber dass ich auch weiß, dass es zu mir eigentlich gar nicht passt.
Das Workbook zu „Das Kleiderschrank Projekt“ von Anushka Rees liegt nun schon seit Monaten bei mir im Bücherregal. Ich habe auch schon ein To Do im Handy, dass ich mich damit beschäftigen will. Aber irgendwas hält mich davon ab zu verschriftlichen, was ich für Gedanken zu dem Thema Stil habe. Ich glaube, es ist ein bisschen die Angst zu sehen, was ich alles im Schrank habe, was gar nicht zu mir passt.
Dabei war ich beim Umräumen des Kleiderschranks von Winter zu Sommer schon sehr ehrlich mit mir. Und ich habe einiges aussortiert und tatsächlich auch schon einges bei vinted zu Geld gemacht. Denn, nur, weil es nicht zu mir passt, muss es ja nicht zu niemandem passen. Und ich habe sogar auch festgestellt, dass ich selbstgenähte Kleidung verkaufen kann. Denn die passt auch anderen und nicht nur mir. Im Grunde habe ich ja meist auch eine Konfektionsgröße genäht und keine großen Tine-spezifischen Änderungen vorgenommen.
Wenn man selbst als kleines e-commerce ähnliche Unternehmerin auf vinted aktiv ist, merkt man auch wieder wie aufwendig dieser Onlinehandel so ist. Fotografieren, Beschreiben, Hochladen. Alles nur kleine Schritte. Aber bei vielen Teilen summiert sich da auch die Zeit und man sitzt gern mal zwei Stunden dran. Und ja, es ist schön, wenn dann auch etwas gekauft wird, aber natürlich muss man auch die Zeit haben das zum Versanddienstleister zu bringen. Zum Glück wohne ich in einer recht guten Infrastruktur und habe drei verschiedene Anbieter in Fahrrad-Entfernung. Ein bisschen Gewinn habe ich also schon in den letzten Monaten gemacht. Aber ich habe auch in Verpackungsmaterial und ein Smartphone Stativ investiert.
Mein absoluter Renner auf vinted sind gerade Modemagazine aus den 2000ern. Ich Fuchs habe die alten Magazine aufgehoben und gerade verkaufen sich die Teen Vogue und Glamour Zeitschriften aus 2008 und den umliegenden Jahrgängen sehr gut. Es scheint, als gäbe es unter der Gen Z den Trend, zu einem Geburtstag ein Magazin aus dem Geburtsjahrgang zu verschenken. Und ja, wer jetzt 18 wird, der ist halt 2008 geboren. Eine Zeit in der ich noch viele Magazine gekauft habe, denn Instagram gab es da ja noch nicht. Aber ich habe schon immer diese Mode Inspiration geliebt und auch heute finde ich die Looks in den Heften immer noch sehr ansprechend. Aber noch länger müssen die Magazine nicht bei mir in der Wohnung lagern. Ich freue mich, wenn ich sie verkaufen kann und mir von dem eingenommenen Geld dann andere Dinge gönne. Dinge, die eher zu meinem aktuellen Leben passen.
Wie zum Beispiel Pflanzen für den Garten. So intensiv wie ich mich dieses Frühjahr um den Garten gekümmert habe, so viel Zeit wie ich investiert habe, das gab es noch nie im Frühjahr. Aber, ich hatte auch noch nie so viel Zeit wie dieses Frühjahr. Zugegebenermaßen, es war kein schöner Start in das neue Jahr mit dem Verlust meines Brotjobs. Aber es war eine harmonische Trennung, die mir Zeit und Geld verschaffte. Und die Zeit nutzte ich intensiv für meine Wohnung und meinen Garten. Ich nahm mir Zeit, um Unkraut zu entfernen und den Garten so zu bepflanzen, wie ich es möchte. Baute aus Modulen einer Schrankwand zwei Hochbeete. Und pflanze das erste Mal Gemüse im Beet an, wo vorher immer nur ein Haufen Grünschnitt lagerte.
Ob ich den Garten weiterhin so gut pflegen kann, das wird die Zeit zeigen. Denn im April wurde aus einer Bewerbung ein neuer Arbeitsvertrag und so geht es für mich jetzt im Mai wieder mit dem Broterwerb weiter. Der neue Job kommt mit Benefits, die gut zu meinem Leben passen. Und so hoffe ich, dass ich einen guten neuen Alltag finde in dem ich meine Sommer Interessen miteinander kombinieren kann.
Denn ja, ich habe inzwischen für mich entschieden, dass ich bestimmte Interessen auch mal monatelang ruhen lassen darf und es okay ist, wenn nicht jedem Hobby jeden Monat Zeit gewidmet wird. Und ja, dafür habe ich eine kleine Excel Monatsübersicht in der ich mir Anfang des Jahres für jeden Monat überlegt habe, was da meine Fokus Themen sind. Ich brauchte irgendwie diese Struktur, um die Zeit des Jahres zu überblicken. Manchmal will ich so viele Dinge machen und schaffen und erleben, da ist es gut, wenn ich mir in einer Tabelle mal einen Überblick verschaffe und sehe, dass die Zeit des Jahres endlich ist.
In der Excel Tabelle habe ich mir auch eine To Sew Liste angelegt. Und beim Ausfüllen der Liste fiel mir dann auch auf, dass ich für mindestens drei Jahre noch ausreichend Projekte liegen haben. Ausreichend Stoffe, ausreichend Ideen und sogar größtenteils die Schnittmuster schon habe, die ich für die Umsetzung brauche. Natürlich kommen mir auch immer noch neue Ideen und ja, dieses Jahr als ich halt Zeit hatte, habe ich auch mal wieder zwei-drei Stoffe neu gekauft. Aber mein Stash ist inzwischen überschaubar. Und ich weiß, was ich habe.
Die Zeit habe ich nämlich auch genutzt, um meine Stoffvorräte in Marie Kondo Weise zu falten und neu zu sortieren. Ich habe jetzt eine Unterbettbox mit Stoffresten für Kinderkleidung und eine Box mit noch nicht angeschnittenen Stoffen. Und ich habe eine Box in der lauter Kleidung ist, die ich upcyceln will. Diese Übersicht hilft ungemein und alle paar Wochen gucke ich in die Boxen rein und überlege, was ich nun daraus machen werde.
Die Zeit habe ich auch für das Stricken genutzt. Ich hatte schon vor längerer Zeit mal einen Cardigan gehäkelt und war aber sehr unzufrieden mit dem Modell. Der Cardigan war schwer und für mein Leben völlig untauglich. Im Januar realisierte ich, dass ich das gehäkelte Modell nie anziehen würde und traf eine Entscheidung. Ich ribbelte den Cardigan komplett auf.
Und fing an aus der Wolle einen Pullunder zu stricken. Etwas, was ich vorher noch nie gestrickt habe. Aber es brachte mir große Freude. Und ein Pullunder ist einfach ein tolles Oberteil. Vor allem strickt es sich natürlich viel schneller, als ein Pullover. Denn die Ärmel eines Pullovers zu stricken, dauert gefühlt ewig. Beim Pullunder hat man ratzfatz Vorder- und Rückenteil fertig und muss dann nur noch Bündchen anstricken.
Die ersten Monate des Jahres brachten mir also viele Veränderungen im Leben. Aber ich ging positiv an die Veränderungen ran. Sah die Chancen, die sie mir boten. Und hoffe nun natürlich, dass aus den kleinen Veränderungen nun neue positive Gewohnheiten werden. Dass ich mir auch im neuen Alltag Zeit für die Dinge nehme, die mich in den letzten Wochen glücklich gemacht haben. Ein Ende ist auch immer ein Anfang. Und vor allem eine Chance. Ich nutze sie.



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